
Geschichte des Malerstübchens
Sehen Sie sich die Karikatur Thielmanns "Die Tafelrunde im Malerstübchen" einmal an. Nach des Tages Arbeit sitzen die Maler zusammen bei einem guten Trunk, fröhlichen Lied und ernsten oder heiteren Gesprächen. Sie haben sich ihr Malerstübchen im damaligen Gasthaus eingerichtet, im Laufe der Zeit mit ihren Bildern geschmückt und selbst die Türe mit Motiven der ländlichen Idylle Willingshausens bemalt.
Willingshausen ist sowohl die älteste deutsche Künstlerkolonie als auch eine der ältesten Künstlerkolonien Europas: 1814 kam schwerverletzt Gerhardt von Reutern zu seinen Verwandten, den von Schwertzells. Er war im Zeichnen und Aquarellieren ausgebildet und fand Gefallen an der Landschaft, dem Leben und der malerischen Tracht der Schwälmer. So kehrte er nach seiner Genesung immer wieder zurück und arbeitete hier 1825 gemeinsam mit Ludwig Emil Grimm, dem jüngeren malenden Bruder der Märchensammler Jacob und Wilhelm Grimm. 1841 folgte aus Düsseldorf Ludwig Knaus. Besonders durch ihn erlangte Willingshausen einen großen Ruf als Studienplatz.
So kamen Adolf Lins, Wilhelm Claudius, Hugo Mühlig, Emil Zimmermann, Hans von Volkmann und viele andere. Seit 1887 kam Carl Bantzer regelmäßig nach Willingshausen, der hier später jährlich mehrere Monate mit seinen Schülern verbrachte. Viele Maler schlossen sich an, unter anderem Hermann Kätelhön, Paul Baum, Heinrich Otto und Heinrich Giebel. Nur Wilhelm Thielmann zog ganz nach Willingshausen.
Die Motive der Willingshäuser Maler waren bestimmt durch die Landschaft und das bäuerliche Leben bei Festen und im Alltag. Die Dorfbevölkerung hatte ein gutes Verhältnis zu den Malern. Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges ließ der Zustrom an Malern nach, wenn auch die meisten der Genannten weiterhin in Willingshausen arbeiteten. Das Malerstübchen war in Völkers Gasthaus umgezogen. 1931 schlossen sich die Maler und Kunstfreunde Willingshausens zur Vereinigung
Malerstübchen Willingshausen e. V. zusammen, der noch heute die Betreuung des Malerstübchens obliegt.
Das Erbe der Willingshäuser Malerkolonie!
Der gemeinnützige Verein „Malerstübchen Willingshausen e. V.“ ist eine Vereinigung zur Förderung von Malerei und Graphik. Ziel ist es auch, die kunsthistorische Bedeutung der Malerkolonie Willingshausen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Das Malerstübchen im Gasthaus Haase
Die Willingshäuser Maler lebten in den Sommermonaten in dem kleinen Schwälmer Dorf. Im Gasthaus Haase richteten sie sich einen eigenen Raum ein. Hier wurden heitere und ernste Gespräche geführt, es wurde gefeiert und gezecht. Im Laufe der Zeit schmückten die Maler den Raum aus. Insbesondere die Tür des Malerstübchens entwickelte sich zu einem wahren Kunstwerk.
Ausstellung Malerstübchen
In der kunsthistorischen Ausstellung im Malerstübchen sind zahlreiche wertvolle Originale von Bantzer über Burek bis Grimm zu entdecken. Besonders interessant sind die anschaulichen Erzählungen von Marthlies Ditter. Sie erlebte noch einige der Maler in ihrer Kindheit und lässt die Besucher des Malerstübchens während einer Führung an ihren Erinnerungen teilhaben. Ihr umfangreiches Wissen zur Historie der Malerkolonie macht die Führungen zu einem besonderen Erlebnis.
Sind Sie auch künstlerisch tätig?

Wir bieten ein vielseitiges Angebot an Kursen in denen Sie Ihre Kenntnisse vertiefen können.
Öffnungszeiten:

Di-So:
10:00-12:00
14:00-16:00
Eintritt: 2 € pro Person. Größere Gruppen bitte anmelden
Die Schriftenreihe „Willingshäuser Hefte“

Vom Malerstübchen Willingshausen verlegt, um Interessierten das Leben und Werk bedeutender Künstler der Willingshäuser Vergangenheit und Gegenwart näher zu bringen.


