Joey Arand, 45. Stipendium, 6. Februar bis 26. April 2016

Ekachai Eksaroj, 44. Stipendium, 2016

Thilo Jenssen, 43. Stipendium, 2016

Marven Graf, 41. Stipendium, 31. August bis 19. November 2015

Susanne Wagner, 40. Stipendium, 2015

Romina Abate, 39. Stipendium, 8. September bis 30. November 2014

Jana Lange, 38. Stipendium, 31. März bis 20. Juni 2014

Nina Kaun, 37. Stipendium

Wie immer im Frühling

Auf den Tischen im Atelier unterm Dach im Gerhardt-von-Reutern-Haus türmen sich die Zeichnungen und Collagen, und an der großen Wand wächst langsam eine Geschichte. Denn als Ziel ihres Aufenthalts hat sich die Stipendiatin Nina Kaun gesetzt, ein neues Buch zu zeichnen. Protagonisten sind Schatten, die als Steine vom Himmel fallen, menschliche Organe, die wie Pflanzen aus der Erde wachsen, der Wald – um Willingshausen? – , ein Mädchen und vieles andere mehr. An der Wand hat sie sich einen (roten) Faden angebracht, an dem sie die vielen einzelnen Bildern aufreiht und zu Buchseiten zusammenstellt. 

Nina Kaun fährt mit diesem Buchvorhaben fort, ihre tagebuchartigen Aufzeichnung von Tag- und Nachtträumen künstlerische Formen annehmen zu lassen. Ihr Interesse erschöpft sich allerdings nicht im Aufzeichnen, vielmehr findet sie im Experiment mit den grafischen Techniken und medialen Möglichkeiten ganz neue Geschichten, die ihre Vorstellungen überformen, und ganz eigenwillige Bilder erzeugen, die sie selbst manchmal überraschen. 

So wie die Aufhebung des Realitätsprinzips im Traum ihr die Möglichkeit gibt, unmögliche Geschichten für wahr zu nehmen, assoziative Sprünge zu machen, fantastische Metamorphosen zuzulassen, so schafft sie sich in der zeichnerischen Geste, den faszinierenden Angeboten des zeichnerisch-malerischen Zufalls, der Collage und Montage, der Aufhebung des perspektivisch einheitlichen Raums, u.v.a.m. die passende künstlerische Methode dazu.

Für die Ausstellung, die das Ergebnis ihres Stipendiums zeigt, arrangiert und ergänzt sie das Material, das zu dem Buch geführt hat, um so zu einer erweiterten, neuen Erzählung zu kommen. Das Buch erscheint bei dem Kasseler Verlag rotopol und wird bereits bei der Vernissage in Willingshausen präsentiert.

Nina Kaun, geboren 1975 in Kassel, studierte 2000-04 Kunsttherapie in Ottersberg/Bremen und schloss dort mit einem Diplom ab. Sie kam 2004 an die Kunsthochschule Kassel, wo sie 2005-11 Visuelle Kommunikation mit dem Schwerpunkt Illustration und Druckgrafik bei Prof. Hendrik Dorgathen studierte. 2011 erhielt sie das Abschlussstipendium des Otto-Braun-Fonds. Sie lebt und arbeitet in Kassel und Berlin.

Verena Waldmüller, 36. Stipendium

Am Apparat! Special devices

Seit drei Monaten ist das Atelier für die Künstlerstipendiaten im Gerhardt-von-Reutern-Haus Ingenieurbüro und Werkstatt. Verena Waldmüller arbeitet am Schraubstock mit Zangen, Bohrmaschine, Metallsäge und Flex. Auf dem großen Zeichentisch liegen Sortimente von Schrauben, Klemmen, Spezialteile aus dem Elektro- und Sanitärbereich, Drähte und Schläuche, Löt- und Klebepistole. Grundstock aber ihres künstlerischen Erfindungsgeistes sind ausrangierte Maschinen oder deren Innereien, die sie gefunden und mitgenommen hat, weil sie ihr von der Funktion, dem Material oder der Form interessant vorkamen.

„am apparat“ war also öfter Verena Waldmüller mit der Frage an die Willingshäuser: Darf ich mich mal in Ihrer Garage, Werkstatt, in Ihrem Schuppen oder Keller umsehen? Der Kontakt ist ihr sehr wichtig, denn sie sammelt nicht nur Gerätschaften ein, sondern sie will auch die Kenntnisse um die Dinge und die Geschichten von deren Besitzern hören.

„am apparat“ im Atelier entstehen dann die „special devices“, künstlerisch entwickelte Erfindungen, Maschinen, die nichts machen können aber viel zu erzählen haben. Sie sind sauber gearbeitet, komplex komponiert und durchdacht. In Verena Waldmüllers Maschinenpark werden sie alle angesprochen, die Installateure und Autoschrauber, die Maschinenbauer und Medizintechniker, Feuerwehrleute und Fernsehtechniker – und natürlich all diejenigen, die mit ihrer Fantasie die Welt der Funktionalitäten überformen und erweitern können, um sich zu erinnern, zu spinnen oder zu träumen.

Verena Waldmüller, geboren 1982 in Immenstadt/Allgäu, absolvierte zunächst eine Ausbildung in Holzbildhauerei in Garmisch-Partenkirchen (2001-2004) spezialisierte sich als Bühnenplastikerin am Staatstheater München (2004-2006) und ging dann an die Kunsthochschule Kassel. Dort studierte sie Bildende Kunst in der Klasse von Prof. Alf Schuler, später Prof. Florian Slotawa, der sie nach ihrem Abschluss 2012 zur Meisterschülerin ernannte. Sie lebt und arbeitet in Kassel.

 

Maciek Rajca, 35. Stipendium

Vince

Der Fußboden des Ateliers im Gerhardt-von-Reutern-Haus ist übersät mit Farbflaschen und Farbtellern, Rollen und Pinseln, Schablonen und Knäueln von Abklebeband, so dass man nur schwer zu den vielen Bildern durch kommt, die Maciek Rajca in den letzten drei Monaten geschaffen hat. Die jüngsten hängen in dichter Reihe an der Wand und geben so einen Eindruck, wie die Ausstellung, die Freitag den 23. November um 18 Uhr in der Kunsthalle Willingshausen eröffnet wird, aussehen könnte. Vince, der schüchterne schwarze Hund, den Rajca sich als Gefährten für seinen Aufenthalt zugelegt hat, hat alles aufmerksam verfolgt und der Ausstellung deshalb den Namen gegeben.

Maciek Rajca ist Maler und hat die drei Monate genutzt, konzentriert nichts anderes zu tun als zu malen. Er stellt sich damit bewusst in die Tradition seiner großen Vorgänger und Gründer der Malerkolonie Ludwig Emil Grimm, Ludwig Knaus, Otto Ubbelohde, Wilhelm Thielmann oder Carl Bantzer, die in dieser damals abgelegenen und sehr armen Gegend ja nicht Urlaub machen wollten, auch nicht den sozialen Fortschritt einführen oder Bürgermeister werden wollten, sondern einfach in Ruhe malen wollten, gemeinsam in ihrem Kreis oder alleine, und das in einer „natürlichen“ Umgebung weit weg von der Stadt und den Herausforderungen und Ablenkungen dort. 

Wie sie hat Rajca die Motive für seine Bilder hier nicht gesucht sondern gefunden. Sie liegen auf der Straße, d.h. als Schablonen von Delphinen z.B. oder als Effektrollen im Baumarkt. Das Vor-Bild für sein Blumenstilleben ist deshalb auch nicht aus einem der herbstlichen Gärten hier im Ort sondern aus dem Internet, dem heutigen Motivgeber für unsere Wirklichkeit. Und wenn Rajca diese Blumen ausschließlich in schwarz auf schwarzem Grund malt, wird klar, dass sie als solche gar nicht gemeint sind. Es geht ihm um eine Diskussion, was Bilder eigentlich sind, wie – und warum – sie als Bilder funktionieren und was sie können. So schwimmen die schon erwähnten Delphine in einem kreisrunden Bild wie in einem Aquarium, springen hinüber in das kreisrunde Nachbarbild und probieren Ballett.

Maciek Rajca ist 1981 in Waldenburg (Polen) geboren. Aufgewachsen in Fulda, studierte er 2004 bis 2010 Bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel, gefördert durch die Künstlerförderung des Cusanuswerks, Bonn.2010/11 war er Meisterschüler von Prof Friederike Feldmann. Er lebt und arbeitet in Köln.

 

Anja Köhne, 34. Stipendium

Lupe

Anja Köhne hat die Zeit ihres Stipendiums in Willingshausen genutzt, um sich aus der Bevölkerung fotografische Aufträge geben zu lassen. Das konnten Gegen-stände, Ereignisse aber auch Begriffe oder Befindlichkeiten sein. Anonym oder auch mit Adresse konnte man sie auf Postkarten schreiben und in einen vor-bereiteten Briefkasten werfen. Das Spektrum reichte vom Rosenpavillon des Bürgermeisters über ein behindertes Tier bis zu dem Begriff Glück.

Anja Köhne hat all diese Wünsche erfüllt – in ihrer eigenen Bildsprache. Deren Charakteristikum ist, dass sie ihre Motive nicht abbildet sondern fotografisch auftreten lässt. Sie inszeniert Gegenstände, Orte, Situationen skulptural, so dass sie eine eigene, neue Form bilden. 

Von fast allen erfüllten Aufträgen hat sie jeweils ein Bild ausgewählt. Für die Prä-sentation in der Ausstellung hat sie die Auftraggeber und andere gebeten, ihr einen Bilderahmen aus der eigenen Wohnung zu geben. Auf dem Boden in der Ausstellung ausgelegt, ergibt dies ein Patchwork aus fotografischen Motiven. 

In diesem Fall sind es nicht nur die Gegenstände auf den Fotos, sondern auch die Gründe dafür, diese Fotos zu machen. Nach dem Ende der Ausstellung verbleiben die Bilder in den Bilderahmen der „Leihgeber“ und damit auch in Willingshausen.

Anja Köhne geht es um die Auseinandersetzung über die inhaltlichen und äs-thetischen Kriterien für das Fotografieren. Diesmal in einer Form bei der nun alle auf ihre Weise mitreden können. So produktiv wie sie in Willingshausen fotografiert hat, so intensiv haben sich auch die Willingshäuser Bürger selbst ein Bild gegeben.

In großformatigen Abzügen zeigt Anja Köhne Motive die veranschaulichen wie sehr sie sich in den Ort und die Bevölkerung hineingedacht hat. Am deutlichsten sichtbar an ihren Selbstporträts, in denen sie sich nach „Schwälmer Art“ ins-zeniert. Offenbar hat es ihr riesigen Spaß gemacht, dort zu sein.

Anja Köhne, 1985 geboren in Stendal, studierte 2005 bis 2010 Bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel bei Prof Bernhard Prinz in der Klasse Experimen-telle Fotografie. Für ihre Abschlussarbeit „Haecceitas oder Die Welt so wie sie ist“ erhielt sie den Akademiepreis der Sparkassen Versicherung. Sie lebt und arbeitet in Kassel.

Julia Charlotte Richter, 33. Stipendium

Friederike Lorenz, 32. Stipendium

Michael Göbel, 31. Stipendium

Daniela Witzel, 30. Stipendium

Marcel Krummrich, 29. Stipendium

Markus Stein, 28. Stipendium, 15. April bis 18. Juni 2009

Thorsten Streichardt, 27. Stipendium, 21. August bis 26. Oktober 2008

Anett Frontzek, 26. Stipendiatin, 8. Mai bis 3. August 2008

Carsten Weitzmann, 25. Stipendium, 24. August bis 4. Juli 2007

Andrea Froneck-Kramer, 24. Stipendium, 20. April bis 29. Juli 2007

Kristin Lohmann, 23. Stipendium, 1. Dezember 2006 bis 4. März 2007

Elke Mark, 22. Stipendium, 2006

Daniel Behrend, 21. Stipendium, 24. April bis 23. Juli 2006

Jens Nedowlatschil, 20. Stipendium, 1. August bis 30. Oktober 2005

Julia Oschatz, 19. Stipendium, 2. Mai bis 31. Juli 2005

Henning Bohl, 18. Stipendium, 2. August bis 31. Oktober 2004

Milen Miltchev, 17. Stipendium, 26. April bis 1. August 2004

Verena Landau, 16. Stipendium, 28. Juli bis 19. Oktober 2003

Jürgen Bergbauer, 15. Stipendium, 22. April bis 20. Juli 2003

Katrin Gassmann, 14. Stipendium, 29. Juli bis 27. Oktober 2002

Thilo Baumgärtel, 13. Stipendium, 22. April bis 21. Juli 2002

Silke Riechert, 12. Stipendium, 23. Juni bis 28. Oktober 2001

Sebastian Hempel, 11. Stipendium, 23. April bis 22. Juli 2001

Thomas Henke, 10. Stipendium, 4. August bis 29. Oktober 2000

Ulrich Harder, 9. Stipendium, 25. April bis 23. Juli 2000

Barbara Wrede, 8. Stipendium, 26. Juli bis 31. Oktober 1999

Michael Lampe, 7. Stipendium, 12. April bis 18. Juli 1999

Michael Fieseler, 6. Stipendium, 23. Juli bis 18. Oktober 1998

Mette Joensen, 5. Stipendium, 23. April bis 19. Juli 1998

Elke Pollack, 4. Stipendium, 4. August bis 27. Oktober 1997

Thomas Offhaus, 3. Stipendium, 5. Mai bis 27. Juli 1997

Daniel Sambo Richter, 2. Stipendium, 5. August bis 2. November 1996

Anna Holdorf, 1. Stipendium, 6. Mai bis 28. Juli 1996